Papierschnipsel

July 20, 2008 by namot

Hm… wie seltsam sich alles anfühlt… geradezu leer. Die letzten Tage waren ein wundervolles Chaos aus Gefühlen. Ich konnte weinen, lachen und es alles so intensiv genießen. Komisch, dass Dinge im Leben einfach so kommen und einfach so wieder gehen, ohne zu wissen wie. Dann sitze ich mit Blick übers Meer in Miraflores und mir kommen Tränen. Ich fühle mich so frei. Nach alledem, was mir hier passiert ist; die vielen Schranken, die ich für mich erkennen und durchbrechen konnte, das Leid, dass ich ertragen musste, die Übelkeit, die Angst und die Wunder dieses einen Jahres. Es ist so viel passiert, was mich hat reifen und verstehen lassen, worum es mir in diesem Leben geht. Sooft war ich geblendet von innerem Trug und Schein, und unfähig meine Klarheit in den Dingen zu finden, die mich unmittelbar umgeben. Denn nicht länger denken, sondern fühlen möchte ich… nicht länger wissen, sondern verstehen… nicht grübeln, sondern hoffen… nicht bereuen, sondern akzeptieren… nicht hassen, sondern lieben mit alle dem, was ich besitze und für alle die, die es anzunehmen vermögen. Peru schenkt mir mein Lachen, lehrt mich Optimismus, Verständnis, Toleranz und die Bedeutung von Glückseligkeit, Hoffnung und Güte. Ich finde zu mir und verstehe mich neu. Und es ist so vieles, was ich nun spüre… so vieles, was ich nun anders sehe und anders leben möchte.

Wie oft ich den Menschen hier in ihre braunen Augen blicken durfte… traurige und oftmals verlorene Augen voller Hoffnung, Verständnis und Geduld. Menschen, die in der Suche nach Antworten zu mir kamen, sich mir öffneten und ihre Ängste preisgaben. Erst in meinen Praktika wurde mir bewusst, welch Privileg und Verantwortung mein Beruf mit sich bringen wird und wie viel ich noch lernen muss. Denn Menschsein lernt man nicht in Fortbildungen… man lernt es durch die Menschen, die einem umgeben… man lernt es in ihren Tränen und in ihrem Lächeln. So viel Kraft konnte ich in so vielen Kindern und Erwachsenen sehen, aber auch die Trauer durch sie verspüren. Denn viele von ihnen bleibt es vergönnt, Talente und Fähigkeiten zu entwickeln, sie zu fördern und durch sie zu wachsen. Vielen bleibt das vergönnt, was ich erleben durfte!

So ziehe ich heute in meine alte WG, um es zu begreifen und noch einmal so zu fühlen, als wäre es alles das erste Mal. Verabschieden werde ich mich von Ort und Mensch… denn alle gehen wir nun erneut jeder seinen eigenen alten oder neuen Weg. Seltsam schon zu wissen, wie unterschiedlich jeder von uns ihn gehen wird: Seinen Weg der Fragen. Denn wohlmöglich war es weniger Studium und Interesse für Kultur, sondern die Suche nach einer Antwort, die jedem von uns Kraft verliehen hat, “das alles” durchzustehen… daraus zu lernen… sich zu entdecken und anzunehmen. Einigen von uns wird es schon jetzt gelungen sein, doch andere laufen weiter… auf der Suche nach einer neuen Möglichkeit ihre Antwort für sich zu erkennen.

Warum also bin ich hierhergekommen?

Ich suchte mich… wollte mir näher sein… und entdecken, wer Nicholas den nun wirklich ist. Der Schlüssel lag tief verbuddelt unter Angst, Idealismus und Stolz. Doch ich lernte das Loslassen, das Verzeihen, das Geduldhaben und das Lieben. So kämpfte ich nicht mehr, sondern verzieh mir und nahm mich an. Stück für Stück mit jeder Träne und ihrem Lächeln durchströmte mich Vertrauen, Hoffnung und Mut. Ich lernte neu zu atmen, konnte sterben und neu leben, so dass mich die “Freunde meiner Seele” behutsam in die Arme schlossen, um mich endlich freizugeben. Hm… und irgendwann passiert es dann. Ich finde sie. Meine Antwort. Und sie ist kurz doch klar: Verzeihung, Hoffnung und Glückseligkeit.

Ein schöner wind, ganz weich und warm zieht er auf und streichelt meinen Geist. Ich lasse mich in ihm fallen. Wie Papierschnipsel sehe ich ein altes Bild aus Gedanken und Gefühlen… und ganz sachte gestatte ich diesem Wind sie nun hinfortzublasen, damit sie endlich lernen, was es bedeutet loszulassen und frei zu sein. Und da fliegen sie… einer nach dem anderen… getragen von einem starken Wind, der mich noch lange begleiten mag… denn Fragen wird es immer geben, nicht wahr?

Plätscherndes Wasser

July 14, 2008 by namot

2 Monate sind seit meinem letzten Eintrag vergangen und jetzt fühlt es sich an wie ein großer Ball aus Sätzen, den ich nicht zu entwirren vermag. Verständlich wohl, denn es waren so viele Fragen und werden noch so viele Antworten sein. Eine Zeit der Angst und der Wunder, die ich manchmal guten Herzens, andere Male schelchten Herzens aufgenommen habe.
Und so male ich nun mein buntes Bild aus Gedanken, Emotionen und Erfahrungen und verstaue es ganz sorgsam in meine Tasche. Denn lange schon bin ich hier, habe gestanden, bin gestolpert, gefallen und geflogen, um mich heute in diesem Moment wiederzufinden. Auf meiner Lieblingsbank vor dem Wasserbrunnen der “Universidad de Lima” habe ich schon so oft gesessen und meinen Gedanken freien Lauf gelassen. So blicke ich im Dämmerlicht nostalgisch in plätschernde Fontänen, die sich vor mir aufbäumen, um beruhigt und zufrieden auf den Boden fallen. Ein Schauspiel, dass ich in meiner Anfangszeit anders beschrieben hätte. Da erschienen sie mir träge, erschöpft und trocken. Ruhsam lausche ich nun ihrem Flüstern, finde mich in ihnen wieder und blicke wie gebannt in ein Wasserspiel aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, das ich erkenne und akzeptiere: Denn das war mein Jahr Lima…
Wie fühle ich mich? Und es missglückt mir, es in Worte zu fassen. Es missglückt mir zu beschreiben, wie sich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten Glückseligkeit, Trauer, Angst, Mut, Verlust, Gewinn, Traum und Realität vermischt haben. Irgendwo zwischen alldem finde ich dann einen anfangs verängstigten Nicholas, der es irgendwann schaffte, innere Schranken zu durchbrechen und ein Stück mehr von dem zu erkennen, wonach er suchte… nämlich sich selbst. Dieser Nicholas streift nun bewusst und ein wenig melancholisch durch die Straßen einer vertrauten Stadt, die so recht nie die Seinige sein wollte. Er streift und fühlt. Denn 7 Tage zählen sich schnell und der Abschied von Uni, Praktikum und Freunden versetzt mich in einen Zeitraffer. Spätestens dann, wenn meine Koffer gepackt sind und ich am 23.07.2008 im Flugzeug sitze, werde ich mir darüber im Klaren sein, dass “Jeder Anfang sein Ende hat” und “Jedes Ende seinen Anfang bedeutet”.
Und so findet eben nun Lima sein Ende… und meine Reise durch ein Stück Südamerika ihren Anfang…

P:eru und…

May 28, 2008 by namot

lese dazu hier:

Das Danach (Erdbeben Lima 2007)

May 15, 2008 by namot

(…) Es nieselt leicht in dieser merklich kalten Winternacht. Rötlich legt sich ein trauernder Schimmer über die kargen Dächer und Terrassen dieser Stadt. Können wir diese karge Unruhe beruhigen? Amaru (unsere Wohngemeinschaft) weiss es nicht. Dennoch: nächstes Wochenende wollen wir Hilfe leisten. In Pisco. Es muss gebaut werden. Haus und Geist lassen nicht auf sich warten. Ruhe soll ihren Platz wieder finden! (16. August, 2007, Erdbeben)”