Dort stehst Du nun… der Horizont verklärt die Sicht. Doch Dein Winken vermag ich dennoch zu vernehmen. Es fühlt sich fern an, warst Du mir doch einst so nah. Und so verabschiede ich mich erneut. Öfter schon warst Du zu Besuch, bliebest eine Weile… und warst mir die Liebste aller meiner Seelenfreunde. Doch auch diesesmal bat ich Dich zu gehen… musste es tun, denn es waren Deiner Tränen zu viele und unserer Glückseligkeit zu wenig. So schenkte ich Dir meine letzte wärmende und liebevolle Umarmung, streichelte Dir sanft über den Rest unserer Beziehung und gab Dich frei. Denn Dich zu haben, soll immer bedeuten, Dich nicht zu besitzen, Dich bedingunglos anzunehmen. Einsichtig nehme ich hin, dass mit Dir auch Zukunftstraum und Kinderwunsch gehen müssen. Zumindest für eine Zeit. Stattdessen betreten nun Trauer und zum wiederholten Male Erkenntnis mein bescheidenes und beschauliches Heim, namens Seele: klein ist es hier, aber dafür doch warm… wenn dann mal der Winter kommt.
Mit dem Abschied von Liebe finde ich nun Zeit, mir meiner selbst bewusst zu werden und mich den anderen kleinen Freunden erneut zu widmen. Schüchtern sind sie… und oftmals nur von kurzer Dauer. Wobei manch einer von ihnen gar behaupten mag, Teil meines Lebens zu sein… mich auszumachen. Dann sitzen sie da, reinen Gewissens, blicken mir stumm in die Augen, heitern mich auf oder versuchen mich zu verschrecken. Ich horche stets auf, nehme mich ihrer an… sind sie es doch, die diese Zeilen in diesem Leben schreiben. Manchmal versuche ich ihre Worte zu beeinflussen, sie eines Besseren zu belehren, um das Beisammensein zu erleichtern… aber es währt nur von kurzer Dauer:
Ich schrecke auf: Zuversicht gibt mir einen kleinen Stubser und Hoffnung schenkt mir ihr Lächeln ruhevoll. Zu gut können sie sich noch an den Abschied von Liebe erinnern. Wenn da nur nicht Zweifel wäre. Zuoft erhebt er seine Stimme und Hohn macht sich dann breit. Nicht zu selten setzt sich Stolz mürrisch dazu. Und Idealismus steht ganz selbstbewusst und zwinkert mir entschlossen zu. Wie immer versucht er Sinneswandel zu überzeugen. Doch dieser pflegt eher den Umgang mit Einsicht. Und diese gibt sich dann meist unbeeindruckt. Wechsel schleicht sich seinen Weg durch das Gemenge…
Wie schon sooft drängt Unruhe sich mir auf. Doch Klarheit stellt sich bewusst an meine Seite und nimmt mir verständnisvoll die Sicht. Sie legt sanfte Hände auf hohle Augen und spendet ihnen neues Licht. Der Raum verstummt, sogar Zweifel gibt endlich Ruh. Auch Angst lässt ab von mir und Vergangenheit entschliesst sich kurzerhand zu gehen. Klarheit hällt inne, spendet mir Ruhe…ermahnt nicht… weder erschrickt sie… sondern erweckt mich… es hinzunehmen und das Suchen zu beenden… Kontrolle freizugeben und Glückseligkeit erneut zu empfangen. Überzeugung, Mut und Zuversicht schenken mir freundschaftlichen Segen. “Bist Du bereit?”, fragt Klarheit sanft, während Zweifel, Unsicherheit, Groll, Reue und auch Angst sich erschöpft und schläfrig gegen die Eingangstür lehnen. Sie machen Raum für Freiheit, Verstädnis, Sinn und Vergebung. “Bereit? Wozu?”, frage ich nüchtern… ein wenig verloren… und Klarheit entfernt ihre schützenden Händen von einem Gesicht, dass sich öffnen möchte, um Azeptanz, Einsicht und Geduld zu Wort kommen zu lassen. Verständnis blickt mir tief in blaue vertraute Augen, während Zuversicht langsam den Raum erfüllt und Mut anspricht. Einsicht flüstert weise, “… denn die Dinge brauchen nun mal ihre eigene Zeit und auch ihren eigenen Weg!”. Idealismus betrachtet das Geschehen eher sorglos und zwinkert kritisch in Richtung Arroganz. Doch auch Arroganz schaut nun verstohlen und beschämt zu Boden. Denn auch er spürt, dass sich Zeiten endlich ändern müssen. Zuoft mussten Traum, Verständnis, Treue, Liebe und Freundschaft leiden… doch mit welchem Ziel? Melancholie fühlt sich ertappt, nimmt sich Trauer an, und streichelt behutsam alte Tränen, die Vernunft schon so oft vergeblich zu erklären versuchte. Nachsicht späht verständnisvoll hinüber zu Nostalgie und erhascht sich den Blick von Stolz, der sich immer noch zu selbstbewusst gibt… Klarheit nimmt sich mir erneut an und ich fühle mich erinnert an eine Frage:
Bereit sein?… erneut, um mich wieder in ihnen zu finden… als etwas Neues… besser noch… als etwas Ganzes… schließe ich sie liebevoll in diese gestärkten Arme: die Freunde (m)einer Seele!