Archive for February, 2008

2500

February 13, 2008

Ich möchte es kleiner schreiben, damit es nicht gar so laut klingt. Aber meine Tastatur lässt mich nicht. Ich bin sehr müde von dem heutigen Tag. Universität und Praktikum zerren ein wenig an mir. Die Ansprüche sind hoch und die Vorbereitungen aufwendig, dafür die Patienten sehr angenehm. Ich tauche nun in eine andere Welt: Heraus aus dem Orientieren innerhalb Stadt, Kultur und Sprache Perus…hinein in ein anspruchsvolles Seminar über Epistemologie und eine Praktikumsstelle in einer Poliklinik, namens Pebal. Unsere Wohngemeinschaft Amaru ist zur Zeit karg bestückt. Nur Maite, Chloe und ich. Die Stadt und das Leben hier zeigen sich zur Sommerzeit von ihrer schönsten Seite. Und zwischen alledem findet man mich. Die Tage fliegen, denn ich muss sie strikt organisieren.

Diese letzten 2 Monate werden wie im Winde verwehen. Noch 8 mal schreiben…einfach nicht genug, um die Geschichten zu erzählen. Aber es tut mir gut, zu wissen, dass mich der eine oder andere begleitet, auch mittels Kommentare. Denn das gibt Kraft zum Schreiben. 2500 Mal wurde meine Seite in den vorherigen 6 Monaten aufgerufen. Ob das nun viel oder wenig ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich wollte mich einfach nur bedanken, denn es freut mich…von euren Augen zu wissen.

Alles Gute!
Nimikon

Komme, wie es wolle.

February 1, 2008

…und befreit meine Seele. Denn zu lang nun schon habe ich warten müssen. Zu trocken waren die Erfahrungen…zu trocken diese Realität. Und wie er so fällt, merke ich wie so viel Spannung sich löst, bis ich mich gereinigt fühle von einer Vielzahl von Momenten, die ich mir manchmal gerne wegwaschen würde. Aber das vermag nicht der Regen, sondern nur ich selbst. Am 18.12.2007 spendet Cusco mir meinen Regen, beträufelt meinen Geist und schenkt meinem Herzen Frieden…für den Moment. Denn Übelkeit überkommt mich erneut, Durchfall, Erbrechen, Grippe, Fieber, 42 Grad, Halluzinationen und Angst. Denn es zerrt an mir. Dieses kranke Etwas. Mit Vorsicht hätte ich das Wasser geniessen sollen. Denn irgendwie schleicht sich ein Bakterium in mich und zerrüttelt meine Ruhe. Doch der Regen, er begleitet mich in jenen 8 Tagen des Unwohlbefindens und lässt mich wieder Hoffnun schöpfen…zu mir finden…finden lassen sich dann auch die Worte, die sich nun in einem Lichtermeer vor meinen Augen baden. Seicht und warm tauchen sie in den Pazifik, in dessen Obhut sich der rötlich wärmende Schein einer am Horizont untergehenden Sonne legt. Denn Cusco ist in diesem Moment Vergangenheit und dieser Ausblick auf das endlos Blaue Gegenwart. Vergangenheit rauscht an mir vorbei und die Gischt der Wellen trägt sie weit hinaus. Nach einem Monat der Reise durch Peru und Bolivien gelange ich zurück in diese Wiege namens Lima. Mein Blick wendet sich ab, um sich von Lärm, Menschen, Durcheinander und Gegenwart einfangen zu lassen…die ich nun zu lieben beginne. Meine Gegenwart ist Lima. Und sie heisst mich willkommen. Es ist Sommer und Sonnenschein. Nun lebt es sich anders: Mensch, Stadt, Sprache und Leben. Ich fühle mich frei, ruhig, glücklich und gefasst. Diese Welt ist mir nun nicht mehr fremd, denn ich finde mich in ihr zurecht. Seltsam fühlt sich das an. Und fast zu lange hat es mir gedauert. Um ein Haar wäre ich doch zurückgekehrt. Denn es ließ sich kaum noch ertragen. Doch nun bin ich angekommen. In dieser 3. Welt. In ihrem Land. In ihren Menschen. In ihrer Stadt. 5,5 Monate sind eine lange Zeit gewesen. Mein Blick richtet sich erneut. Auf die Ferne. Denn dort am Himmel sitzt ein kleiner Mond. Und in ihm trägt sich ein Teil meiner Zukunft. Ich sehe das Neue, das die ganze Zeit über so fern erschien. Ein neues Ende. So wie es sie immer wieder gibt. Denn jedes Ende schenkt einen Anfang. Und wenn Mitte April ich diese Stadt verlasse, beende ich ein Lima und beginne ich Ein Stück Südamerika.

Doch vorerst wächst nun in mir ein Gefühl von Trauer. Denn zu schön ist es hier! Ich fühle mich so wohl, so genesen, so “zu Hause”. Beträufelten mich also einst die Gedanken des Scheusals, der Angst und Unsicherheit…so sind es jetzt Gedanken der Freude, Zuneigung und Trauer. Ich habe mich eingebettet…und nun kommt die Zeit, um schon bald wieder die Laken zu wechseln. Wie sooft zuvor. Ich liebe es hier. Und diese Erfahrung, dieses Leben, dieses Leid und auch das Glück bleiben unvergesslich. Ich schweisse sie ein…ganz fest…denn sie sollen mir lange erhalten bleiben…auf meiner Reise durch Südamerika und auch auf meiner Reise durch ein Leben in Deutschland. Denn erst das gibt allem seinen Sinn: Wundervolles, Angelerntes und Gelebtes zu assimilieren und zu konservieren. Oder wird es wie eine Erinnerung…im Winde verrauschen, um einfach nur ein “es war einmal” zu bleiben? Ich drücke die Daumen. Denn ich möchte mir treu bleiben, mich stets neu finden…und zugleich bewahren… bis zu dem Ende in dem man angeblich zum letzten Mal die Laken wechselt. So wünsch’ ich es mir. So soll es sein…Komme, wie es wolle.