Ruhig sitze ich hier. Erschöpft bin ich und dennoch erholt. Wenn es passiert erscheint es mir immer wie mein Untergang. Denn ich lebe dann nicht, sondern sehne nach Tod. Farben verschwimmen, Gedanken verlieren, Hoffnungen zerbarsten und Kraft verlässt. Und in den wenigen kurzen Momenten der Klarheit und Bewusstheit revidiere ich diesen Gedanken. Denn ich bilde mir ein, es gibt Hoffnung. Doch wie fühlt es sich bei Dir? Wenn Du von ganz tief innen heraus, Dich ausschüttest. Dein Innerstes offenbarst und ausstößt. Der Magen sich zusammenzieht mit einer unglaublichen Kraft das Aufgenommene „verstößt“, weil er es nicht mehr halten möchte. Weil es ihm zu viel ist? Weil es ihn anwidert, es alles tragen und erleben zu müssen. Ich leere mich aus und erblicke die Übberreste von einer durch Säure zersetzten Flüssigkeit in dem Klo vor mir. Ein Gemisch aus Brei und Übelkeit. So kostbar noch vor 1 Stunde zu mir genommen, erscheint es mir jetzt wie Rinnsal. Arm, verbraucht und sinnlos. Vermischt in dem Ganzen glaube ich noch anderes zu sehen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es öffnen sich mir die Augen. Denn ist es nicht so. Kommen nicht irgendwann auf irgendeine Art und Weise die Dinge so zusammen, dass sie ein klares unmissverständliches Bild ergeben. Aber warum passiert es? Warum so plötzlich? Warum sooft und so lang in dieser heutigen Nacht? Was habe ich Erbrochen? Nahrung? Ich? Oder Geist? Mit ihm Ziele? Ängste? Eindrücke? Eindrücke von denen es zu viele waren, weil meine größte Stärke, die Detaills zu sehen, nun zu meiner größten Schwäche wird, und mich auslaugt? Habe ich ein Gefäß entleert, dass zu voll von Gedanken ist, als das es noch weiteres ertragen könnte. Wollte ich es loswerden, um wieder Freiheit zu fühlen. Ich fühle Leere, doch für einen Moment erkenne ich ein wichtiges Prinzip. In all dem zieht sich ein klares Bild. Es ist zu viel. Mein Körper trägt es nicht mehr…und nach dem Körper kommt dann mein Geist?
Und den darf ich nicht erbrechen! Er muss hier bleiben…bei mir…in mir! Und darf nicht weg. Doch was tun? Zurückkehren? Oder weitergehen? Mit Segeln, die ich lernen muss, anders zu setzen? Weil sonst der Geist, den ich so liebevoll in meinen Armen trage, den ich schon so oft in seinen Tränen und Lächeln halten durfte, ansonsten verarmt, mir entweicht und verstirbt.
Ich suche meine Tränen. Erbrochen habe ich seit langem nicht mehr. Und für einen kurzen Augenblick glaube ich meine Seele zu sehen. Wie sie vor meinem Inneren Auge ruht. Trocken ist ihre Haut, geziert von müden Falten, die nach Ruhe sehnen. Ihre Augen hohl und verloren blicken sie zu mir. Ein stummes Seufzen, gleich dem letzten Atemzug eines Sterbenden, glaube ich zu vernehmen. Und Arme eines Geistes, die schon fast zu schwach sind und sich nach meiner Nachsicht und Nähe recken. Ich suche meine Tränen, denn sie sind mein Tor zu mir selbst. Ich suche meine Tränen. Und in ihnen finde ich meine Kraft.
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